In dieser Folge spreche ich mit Eva (32), Tierärztin vom Niederrhein, über ein Thema, das für viele Frauen mit wiederholten Fehlgeburten eine entscheidende Rolle spielen kann – und dennoch oft nicht abgeklärt wird: Immunologie und KIR-Gene.
Eva hatte innerhalb von zwei Jahren vier Fehlgeburten. Sie wurde immer wieder schwanger – konnte aber nie schwanger bleiben. Die Ärzte sagten: „Eine Fehlgeburt ist keine“, „Sie sind jung, da wird schon nichts sein“. Erst nach der dritten Fehlgeburt begann eine unvollständige Diagnostik. Hormone-Check? Angeblich unnötig. Immunologie? Abgelehnt. Überweisungen? Kaum zu bekommen.
Eva aber blieb hartnäckig, auch als (Tier-)ärztin empfand sie die Diagnostik als unzureichend, die Aussagen der Ärzte zu dünn.
Durch eigene Recherche stieß Eva auf das Thema KIR-Gene. Der Weg zur immunologischen Diagnostik war steinig: niemand wollte das Laborbudget einsetzen, Überweisungen wurden verweigert, sie musste kämpfen, insistieren und teils die Arztpraxis wechseln. Doch am Ende gab es endlich eine Erklärung – und einen Behandlungsplan.
KIR-Gene steuern bestimmte Immunzellen (sogenannte natürliche Killerzellen) in der Gebärmutter. Diese Zellen sind eigentlich dafür da, eine Schwangerschaft zu schützen und den Aufbau der Plazenta zu unterstützen.
Da ein Embryo zur Hälfte fremdes Erbgut trägt, braucht es ein gutes Gleichgewicht aus schützenden (aktivierenden) und bremsenden (hemmenden) KIR-Genen.
Bei Eva fehlten jedoch zu viele der schützenden KIR-Gene, so konnte das Immunsystem den Embryo nicht ausreichend unterstützen.
Hinweis: Keine Frau hat alle schützenden KIR-Gene, aber wenn mehrere fehlen, kann es schwierig werden, eine Schwangerschaft zu halten, es kommt zu häufigen Fehlgeburten.
Für Eva war die Diagnose eine enorme Erleichterung: Endlich gab es einen Grund – und sie musste sich nicht „einfach nur entspannen“ oder „mal in den Urlaub fahren“.
Diese Folge ist ein eindringlicher Appell, aus Sicht einer Ärztin hat Eva folgende Wünsche an Kiwukliniken:
- Ärzte müssen auf dem aktuellen Stand bleiben, auch wenn Immunologie noch kein großes Feld ist
- Fortbildungen sind Pflicht – gerade im sensiblen Bereich Kinderwunsch
- Frauen müssen ernst genommen und unterstützt werden, schwanger zu bleiben, nicht nur schwanger zu werden
Eine Folge über medizinische Lücken, emotionale Grenzerfahrungen – und darüber, wie wichtig Aufklärung, Eigeninitiative und ganzheitliche Diagnostik im Kinderwunsch sind.